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Paula, dein Monsterfreund in dieser Geschichte.

HAUSMONSTER · ETWA 6–9 MINUTEN VORLESEZEIT

Paula und das Klopfen im Flur

Eine Geschichte mit Hannah und Paula.

Hannah baute auf dem Wohnzimmerteppich eine Straße.

Sie bestand aus Holzschienen, zwei Brücken und einem Tunnel aus einem umgedrehten Karton. Durch den Tunnel passte nur der kleine rote Zug. Der große blaue blieb mit seinem Dach hängen.

Draußen hatte es geregnet.

Mama war gerade mit dem Einkauf nach Hause gekommen. Ihre Jacke hing im Flur. Der nasse Regenschirm stand in einer flachen Schale neben der Tür.

Hannah schob den roten Zug in den Tunnel.

Da klopfte es.

Nicht an der Haustür.

Eher irgendwo dahinter.

Plock.

Hannah hielt den Zug fest.

Eine Weile war es still.

Dann wieder:

Plock.

Sie schaute zum Flur. Von ihrem Platz aus konnte sie nur den Rand der Garderobe sehen. Darunter lag ein langer Schatten.

„Mama?“

„Ich räume in der Küche ein“, antwortete Mama.

Hannah stand auf. Sie ging aber noch nicht in den Flur.

Neben dem Sofa bewegte sich ein Kissen.

Hannah machte einen kleinen Schritt zurück.

Ein orangefarbenes Monster schaute dahinter hervor. Es hatte eine breite Nase, zwei kleine runde Ohren und einen hellen Bauch. Unter seinem Arm klemmte ein einzelner gestreifter Hausschuh.

„War das dein Zug?“, fragte es.

Hannah schüttelte den Kopf.

„Der steht.“

Das Monster stellte den Hausschuh ab.

„Ich bin Paula. Ich dachte, hier fährt jemand über eine sehr kleine Brücke.“

„Ich habe zwei Brücken“, sagte Hannah. „Aber die machen nicht plock.“

Paula setzte sich neben die Schienen.

Gemeinsam lauschten sie.

Plock.

Paula schaute unter die erste Brücke.

Dann unter die zweite.

„Du hast recht.“

Hannah hörte das Klopfen jetzt deutlicher. Weil sie darauf wartete, kam ihr jede Pause sehr lang vor.

„Vielleicht ist jemand im Flur.“

Paula legte den Kopf schief.

„Ich weiß es nicht. Sollen wir Mama holen?“

Hannah nickte.

Sie rief noch einmal. Mama stellte eine Packung auf die Arbeitsplatte und kam ins Wohnzimmer.

„Was gibt es?“

„Da klopft etwas. Hör mal.“

Alle drei warteten.

Die Kühlschranktür summte leise. Draußen fuhr ein Auto durch eine Pfütze. Paula rieb mit dem Daumen über den Rand ihres Hausschuhs.

Nichts klopfte.

Hannah zog die Schultern hoch.

„Gerade war es noch da.“

„Dann warten wir einen Moment“, sagte Mama.

Sie setzte sich auf die Sofakante.

Hannah blieb neben ihr stehen.

Plock.

Paula zeigte sofort zum Flur.

„Da!“

Mama nickte.

„Jetzt habe ich es auch gehört.“

Hannah nahm Mamas Hand. Zusammen gingen sie bis zur offenen Wohnzimmertür. Paula kam hinterher und trug ihren Hausschuh wie einen kleinen Korb.

Mama machte das Licht im Flur an.

Der lange Schatten wurde zu Mamas Jacke und einer Einkaufstasche. Auf dem Boden standen Schuhe. Darüber hingen ein Schal und Hannahs Mütze.

Nichts bewegte sich.

Plock.

Hannah zuckte zusammen.

Das Geräusch war ganz nah.

Paula schaute in ihren Hausschuh.

„Hier sitzt jedenfalls niemand.“

Hannah musste ein bisschen lächeln.

Mama blieb an der Tür stehen.

„Aus welcher Richtung kam es?“

Hannah zeigte nach unten.

Neben der Garderobe stand der Regenschirm. Seine Spitze zeigte in die flache Schale. Am Stoff hingen kleine Tropfen.

Einer davon wanderte langsam nach unten.

Er wurde größer.

Er zitterte an der Spitze.

Dann fiel er.

Plock.

In der Schale sprang ein winziger Ring aus Wasser auseinander.

Hannah ging neben Mama in die Hocke.

Paula hockte sich dazu.

„Noch mal“, flüsterte Hannah.

Sie warteten.

Ein neuer Tropfen bildete sich. Er hing eine Weile fest, als müsste er sich erst entscheiden.

Dann fiel auch er.

Plock.

Hannah sah zu Mama auf.

„Der Schirm klopft.“

„Das Wasser vom Schirm“, sagte Mama. „Es tropft in die Schale.“

Paula betrachtete ihren trockenen Hausschuh.

„Gut. Ich dachte schon, mein zweiter Schuh läuft allein durchs Haus.“

Diesmal lachte Hannah richtig.

Mama holte ein kleines Tuch. Sie legte es in die Schale unter die Schirmspitze.

Der nächste Tropfen fiel weich darauf.

Fast lautlos.

Hannah hörte noch einen Moment hin.

Der Flur klang wieder wie ihr Flur.


Zurück im Wohnzimmer wollte Paula wissen, ob der kleine Zug auch einen Bahnhof hatte.

Hannah schaute auf den gestreiften Hausschuh.

„Jetzt schon.“

Paula legte ihn neben die Schienen. Der rote Zug fuhr vorsichtig hinein. Seine letzte Achse blieb gerade noch draußen.

„Endstation Hausschuh“, sagte Hannah.

Mama brachte ein Glas Wasser und setzte sich für eine Weile zu ihnen.

Draußen hörte der Regen auf. Das Licht auf dem Teppich wurde heller. Hannah baute eine neue Kurve um den Kartontunnel herum.

Später, als die Schienen wieder in ihrer Kiste lagen, ging sie mit Mama durch den Flur.

Der Regenschirm stand noch in seiner Schale.

Hannah blieb kurz stehen und betrachtete ihn.

„Gute Nacht, Klopfschirm.“

Paula nahm ihren Hausschuh unter den Arm.

„Der Bahnhof hat jetzt auch Feierabend.“

Dann gingen sie weiter.

Hannah wusste nun, woher das Klopfen gekommen war.

Und wenn das Haus irgendwann ein anderes Geräusch machte, konnte sie wieder jemanden zum gemeinsamen Nachschauen holen.

Für heute darf es auch eine Geschichte sein.
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