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Ella, dein Freund in dieser Geschichte.

FARBENMONSTER · ZWEITE REIHE · CA. 6–8 MINUTEN

Ella und der orange Drache

Eine Geschichte mit Leni und Ella.

Leni wollte einen Drachen bauen, der wie ein Stück Abendsonne aussah.

Keinen Drachen mit Flügeln und Zähnen. Einen Papierdrachen mit einem langen Schwanz, den man an die Wand hängen konnte.

Papa hatte eine große Raute aus festem Papier ausgeschnitten. Daneben lagen Bänder, Klebstoff und ein paar leichte Papierstreifen.

Ella saß am Tisch und hielt einen Pinsel wie einen Spazierstock.

„Welche Farbe bekommt er?“

„Orange“, sagte Leni.

Sie öffnete ihren Farbkasten.

Gelb war da. Rot auch. Blau und Grün saßen nebeneinander. Aber im orangefarbenen Näpfchen lag nur ein kleiner trockener Krümel.

Leni tippte mit dem Pinsel hinein.

Der Krümel klebte an der Spitze.

„Das reicht für eine Ameise“, sagte Ella.

Leni seufzte.

„Aber nicht für meinen Drachen.“

Papa stellte einen kleinen Teller auf den Tisch.

„Du kannst Rot und Gelb mischen, wenn du möchtest.“

Leni sah zu Ella.

Das Farbenmonster hatte heute schon einen gelben Fleck auf einer Haarspitze und einen blauen am Finger. Es wirkte bereit.

Leni gab gelbe Farbe auf den Teller. Dann einen kleinen roten Klecks dazu.

Sie rührte vorsichtig.

Die rote Spur zog einen Bogen durch das Gelb.

Wo beide Farben sich trafen, entstand Orange.

Leni lächelte.

„Da ist es!“

Sie malte den oberen Teil des Drachens an. Das Orange leuchtete auf dem weißen Papier.

Ella hielt die Ecke fest.

„Ein ziemlich sonniger Drache.“

Leni machte weiter, bis der Pinsel fast trocken war.

Auf dem Teller war kaum noch Farbe.

Die untere Hälfte des Drachens blieb weiß.

„Ich mische noch einmal“, sagte Leni.

Diesmal gab sie zuerst Rot auf den Teller und dann Gelb.

Das neue Orange sah dunkler aus.

Leni malte einen Streifen unter die erste Fläche.

Der Unterschied war deutlich.

Oben leuchtete der Drache hell. Unten sah er aus wie eine reife Mandarine.

Leni hielt den Pinsel still.

„Jetzt hat er zwei Farben.“

Ella betrachtete das Papier.

„Zwei Orangen.“

„Aber ich wollte eine.“

Leni gab noch mehr Rot auf den Teller.

Der nächste Streifen wurde dunkler.

Sie legte den Pinsel ab.

Auf einmal mochte sie den Drachen nicht mehr anschauen.

Papa setzte sich neben sie.

„Willst du kurz Pause machen?“

Leni nickte.

Ella stellte den Pinsel in den leeren Becher, damit er nicht über den Tisch rollen konnte.

Eine Weile schauten sie nur auf das Papier.

Der Drache war noch kein Drache. Er hatte kein Gesicht, keinen Schwanz und keine Bänder. Nur drei orangefarbene Flächen.

Leni zog mit dem Finger durch die Luft, ohne die nasse Farbe zu berühren.

„Wenn unten auch hell wäre, würde es passen.“

Ella deutete auf das Gelb.

„Was hat uns am Anfang am meisten geholfen?“

Leni nahm einen frischen Teller. Darauf mischte sie viel Gelb mit wenig Rot.

Diesmal probierte sie die Farbe erst auf einem Rest Papier.

Dann gab sie einen winzigen Tropfen Rot dazu und malte einen zweiten Fleck.

Der zweite war ein bisschen dunkler.

Ein dritter hatte noch mehr Rot.

Leni betrachtete die Reihe.

Die Farben sahen nebeneinander plötzlich gut aus.

Wie ein Nachmittag, der langsam Abend wurde.

Sie schob das Probierblatt an den Drachen.

„Vielleicht bekommt er Streifen.“

Ella beugte sich vor.

„Sonnenstreifen?“

Leni nickte.

Sie nahm den hellsten Ton für die nächste Fläche. Darunter kam das dunklere Orange. Ganz unten wieder das helle.

Aus den ungleichen Stellen wurde ein Muster.

Nun durfte die Farbe trocknen.

Papa half, den Schwanz am unteren Ende zu befestigen. Ella hielt die Papierbänder bereit.

Leni malte zwei freundliche Augen und einen breiten Mund auf ein separates Stück Papier. Als der Drache trocken war, klebten sie das Gesicht darauf.

Der Mund lag genau zwischen zwei Streifen.

Es sah aus, als würde der Drache über seine eigenen Farben lachen.

Leni hielt ihn vorsichtig hoch.

Die Bänder bewegten sich.

„Jetzt ist er fertig.“


Am Abend hängte Papa den Drachen an einen Haken im Kinderzimmer.

Leni setzte sich aufs Bett. Ella saß neben dem Kissen und betrachtete ihr Werk.

Das Licht vom Fenster fiel auf die orangefarbenen Streifen. Manche leuchteten stärker als andere.

Leni fand das nun gerade schön.

„Ich könnte gar nicht mehr sagen, welche Farbe zuerst geplant war.“

Ella zuckte mit den Schultern.

„Der Drache weiß es auch nicht.“

Ein Luftzug bewegte die dünnen Bänder. Sie raschelten leise aneinander.

Papa schloss das Fenster für die Nacht.

Die Bänder wurden still.

Leni legte sich zurück und sah noch einmal hinauf.

Ihr kleines Stück Abendsonne durfte bleiben, auch wenn es draußen dunkel wurde.

Schön, dass du dabei warst.
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